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SOLAS & MEG4 – Orientierung im Paragrafendschungel

Leitlinien für sicheres Festmachen

Festmachoperationen waren schon immer mit erheblichen Risiken verbunden, und Unfälle in diesem Bereich können schwerwiegende Folgen haben. Genau dies war der wesentliche Antrieb für die von der IMO eingeführten Anforderungen der SOLAS-Regel II-1/3-8 zum Thema Festmachen. Diese Vorgaben schaffen einen Rahmen für die Auslegung, Inspektion und Instandhaltung von Festmachausrüstung und beziehen sowohl Festmacherleinen als auch Vorläufer (Tails) mit ein.

Darüber hinaus enthält der OCIMF Mooring Equipment Guidelines, 4th Edition (MEG4) deutlich detailliertere und in Teilen strengere Empfehlungen, insbesondere für Tanker und Umschlaganlagen im Öl-, Gas- und Chemiesektor. Für viele Betreiber stellt sich daher die Frage: Welche Anforderungen gelten für mein Schiff – und welche konkreten Konsequenzen ergeben sich daraus für die Auslegung und den Betrieb meines Festmachersystems?

Beide Regelwerke verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz. Sie definieren Kriterien zur Beurteilung des Zustands von Festmacherleinen und Vorläufern, um verschlissene Komponenten rechtzeitig vor einem möglichen Versagen aus dem Betrieb zu nehmen. Gleichzeitig geben sie Orientierung bei der Auswahl geeigneter Ersatzleinen und Vorläufer und schaffen damit die Grundlage für ein hohes Maß an Sicherheit und Betriebssicherheit.

Im Folgenden Seiten fassen wir die wichtigsten Anforderungen zusammen und zeigen, wie sie sich in der Praxis auf die Dimensionierung von MBL, D/d-Verhältnis und weitere zentrale Parameter eines Festmachersystems auswirken.


Übersicht der relevanten Richtlinien

Schiffsbezogene MerkmaleBetreffendRelevante Richtlinien
Schiffe gebaut ab Januar 2007KonstruktionMSC.1/Circ.1175 Rev.1
Richtlinien für Schlepp- und Festmacheinrichtungen an Bord
Schiffe gebaut ab Januar 2024KonstruktionMSC.1/Circ.1175 Rev.1 und MSC.1/Circ.1619
Richtlinien für die Auslegung von Festmacheinrichtungen sowie die Auswahl geeigneter Festmacheinrichtungen und Beschläge für sicheres Festmachen
Alle Schiffe im Betrieb ab Januar 2024Inspektion und InstandhaltungMSC.1/Circ.1620
Richtlinien für die Inspektion und Instandhaltung von Festmacheinrichtungen einschließlich Festmacherleinen
Alle Öl-, Gas- und Chemikalientanker sowie TerminalsAuslegung von Schiffen und Terminals, Festmachersysteme und FestmachtechnikOCIMF Mooring Equipment Guidelines (MEG4), 4. Ausgabe
Die Mooring Equipment Guidelines konzentrieren sich auf die Sicherheit von Personal an Bord und an Terminals.

Zertifikate

Gleistein Festmachersysteme erfüllen höchste Sicherheitsstandards und werden mit allen erforderlichen Zertifikaten geliefert.
 

  • Werkszeugnis 2.2* bestätigt die Übereinstimmung der Seile mit den Bestellvorgaben. Die angegebenen technischen Daten basieren auf gemessenen Werten der jeweiligen Konstruktionen.
  • Abnahmeprüfzeugnis 3.1* bestätigt darüber hinaus die Festigkeitseigenschaften der Produktionscharge anhand spezifischer Bruchlastprüfungen.
  • Abnahmeprüfzeugnis 3.2* erfordert zusätzlich die Mitwirkung einer unabhängigen Prüfstelle, welche die durchgeführten Bruchlastprüfungen überwacht und bestätigt.
  • MEG4: Im sicherheitskritischen Öl- und Gassektor gelten besonders hohe Anforderungen. Nach MEG4 zertifizierte Festmacherleinen haben umfangreiche Prüf- und Verifizierungsverfahren erfolgreich durchlaufen.

* gemäß DIN EN 10204

Systembruchlast bei Festmachersystemen

Warum eine stärkere Hauptleine Vorteile bieten kann

Die Systembruchlast eines Festmachersystems ist ein schiffsspezifischer Auslegungswert zur Dimensionierung des gesamten Systems. Sie definiert den Bereich, innerhalb dessen die Line Design Break Force (LDBF) der eingesetzten Seile liegen muss: Dieser Wert darf nicht unterschritten werden und sollte gemäß OCIMF MEG4 nur in begrenztem Umfang überschritten werden. Innerhalb des Gesamtsystems bilden Hauptleine, Vorläufer (Tail) und Verbindungselemente eine Einheit mit ihrer eigenen Systembruchlast.

Bei Festmachersystemen vom Typ FLX empfiehlt MEG4, den Vorläufer deutlich stärker auszulegen als die Hauptleine. Dadurch wird dem erhöhten Abrieb des Vorläufers Rechnung getragen. Gleichzeitig führt dies jedoch dazu, dass im Überlastfall mit hoher Wahrscheinlichkeit zuerst die langlebige Hauptleine versagt – also die teuerste und am schwierigsten zu ersetzende Komponente des Systems.

Für Schiffe, die nicht den Anforderungen von MEG4 unterliegen, besteht keine Vorgabe, den Vorläufer stärker auszulegen als die Hauptleine. Da SOLAS ebenfalls nicht festlegt, welche Komponente eines Festmachersystems stärker oder schwächer sein soll, empfiehlt Gleistein, den Vorläufer bewusst als schwächstes Element des Seilsystems auszulegen.

Diese Konfiguration bietet mehrere Vorteile: Im Versagensfall tritt der Bruch mit höherer Wahrscheinlichkeit in der Nähe der Kaikante auf, wodurch das Risiko unkontrollierter Rückschnellbewegungen (Snapback) an Bord und an Land reduziert wird. Zudem lassen sich Vorläufer schnell und kostengünstig ersetzen. Die stärker ausgelegte Hauptleine profitiert gleichzeitig von einer geringeren Auslastung und damit von einer verlängerten Lebensdauer.

Da alle Komponenten in Reihe geschaltet sind, kann das Seilsystem keine höheren Lasten übertragen, als der Vorläufer aufnehmen kann. Die Systembruchlast bleibt somit innerhalb des vorgeschriebenen Bereichs, während die Hauptleine an Robustheit und Langlebigkeit gewinnt.

Darüber hinaus empfiehlt Gleistein, die Safe Working Load (SWL) auf maximal 50 % der LDBF zu begrenzen und den typischen Betriebsbereich von Festmacherleinen innerhalb von 20 bis 25 % ihrer MBL zu halten.

Gleistein recommendations

  • Die Safe Working Load (SWL) von Festmacherleinen sollte 50 % der LDBFSD betragen.
  • Für eine maximale Lebensdauer sollte die übliche Betriebsbelastung von Festmacherleinen 20–25 % der MBLSD nicht überschreiten.

D/d ratio

Praxisgerechte Empfehlungen auf Basis von Prüfungen

OCIMF MEG4 empfiehlt für HM-Festmacherleinen ein D/d-Verhältnis von mindestens 15. In der Praxis lässt sich dieser Wert jedoch auf den meisten Schiffen kaum durchgängig an allen Fairleads, Rollen und Pollern erreichen, da der dafür erforderliche Bauraum für entsprechend große Biegeradien oftmals nicht vorhanden ist. SOLAS MSC.1/Circ. 1619 legt deshalb keinen festen D/d-Wert fest, sondern fordert, dass das D/d-Verhältnis bei der Auswahl von Festmacherleinen berücksichtigt wird, um biegebedingte Festigkeitsverluste zu begrenzen.

Um die Auswirkungen unter realistischen Einsatzbedingungen zu bewerten, hat Gleistein Angled Break Force (ABF)- und Angled Endurance (AE)-Tests an repräsentativen FlexTwin- und X-Twin-Hauptleinen durchgeführt. Die Prüfungen erfolgten auf Basis der MEG4-Anforderungen bei D/d-Verhältnissen von 5 und 10.

Die Ergebnisse zeigen, dass bei diesen Seilkonstruktionen eine Erhöhung des D/d-Verhältnisses über den Wert 5 hinaus unter den getesteten Bedingungen keine relevante Verbesserung der Restfestigkeit bewirkt. Die Leistungswerte bei einem D/d-Verhältnis von 5 sind im Wesentlichen mit denen bei einem Verhältnis von 10 vergleichbar.

Mit anderen Worten: Für diese Seile bietet bereits ein D/d-Verhältnis von 5 die Leistungsfähigkeit, die für einen sicheren Einsatz innerhalb des vorgesehenen Betriebsbereichs erforderlich ist.

Gleistein Empfehlungen

  • Das D/d-Verhältnis sollte möglichst groß gewählt werden.
  • Kann der empfohlene Wert nicht erreicht werden, unterstützen wir Sie bei der Auswahl einer für die vorhandene Ausrüstung geeigneten Seillösung.

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Lösungen

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